Mit dem Toonboom Studio liegt ein Programm für Cartoonisten vor, wie man es sich vom Prinzip her nicht besser Wünschen könnte. In der technischen Umsetzung der
Ideen hapert es leider in einigen grundsätzlichen Bereichen, die den Gesamteindruck des Programms ein wenig trüben. Sehr gut ist das Angebot einer 30 Tageversion des Programms, um es ausprobieren zu können. Mit 15 MB ist man dabei. Das Demoprogramm merkt sich den Installationstag und bleibt für diesen Zeitbereich auch weiterhin funktionsfähig. Mit dem
Programm kann man gleichzeitig ein 490 Seiten starkes Handbuch als PDF-Datei herunter laden. Das Handbuch ist ausführlich mit vielen Beispielen gestaltet. Man bekommt eine Einführung in das Programm selbst und in Möglichkeiten einer 2 dimensionalen Computeranimation. Es ist lesenswert, auch wenn man mit dem Programm nicht weiter arbeiten möchte. Man steigt mit einem Dateinamen für sein Projekt ein. Das Studio generiert die
dazu gehörigen Verzeichnisse und beginnt mit seinem Zeichentool. Im weiteren kann man immer nur den momentanen gesamten Arbeitszustand abspeichern. Weder eine Sicherung noch ein Abspeichern unter einem anderen Dateinamen ist aus dem Programm heraus möglich. Die Zeichenfläche wird nicht nur rundherum nummeriert. Sie bietet gleichzeitig nummerierte Diagonalen als Orientierungshilfe. Erfreulich ebenso die
angebotenen Zeichenwerkzeuge. Der Zeichenstift und das Radiergummi rufen mit einem Zeichentablett schnell eine cartoonartige Darstellung hervor. Die Linien sind kleine Flächen, die ihr Aussehen nach der Druckstärke des Zeichenstiftes regulieren. Man kann das Ausmaß der Breitenschwankung der Strichstärke vorher festlegen und sich unterschiedliche Zeichenstifte definieren. Liegen die Weiterverarbeitungsmöglichkeiten von
Vektorobjekten oft weit hinter dem, was man von einem Vektorprogramm sonst erwartet, können Sie mit dem Studio Grafiken perspektivisch, oder besser beliebig verzerren. Dafür sucht man eine Möglichkeit Vektorgruppen innerhalb eines Objektes zu bilden vergeblich. Man geht bei dieser Konzeption wohl davon aus, dass man mit dem Programm eigentlich nur einen schon fertigen Entwurf auf dem Computer noch umsetzt und nicht mehr
am Bildschirm entwickelt. In diesem Fall sind Gruppierungen oder auch das automatische Ausrichten von Objekten nicht notwendig, deshalb konsequenterweise auch nicht vorhanden. Beginnt man mit der konkreten Gestaltung, muss man sich erst ausführlich mit ungewöhnlichen Handhabung des Programms beschäftigen. Außer Frames, Bilder kennt das Programm im
Zeichenmodus Objekte. Objekte werden entweder im Programm selber entworfen oder importiert. Importieren kann man *.swf und *.ai und eigene Templates, Pixelbilder, Sounds. Bei *.swf und *.ai ist das Programm sehr eigenwillig. Es nahm *.ai nur vom Adobe Illustrator 8.0 alle anderen wurden zurückgewiesen. Auch beim Import von *.swf Dateien kann man auch einige Überraschungen erleben. Entweder wird nichts importiert,
oder es werden schon mal 100 Objekte gebildet. Am Besten verlinkt man eine externe *.swf als Mediaobjekt. Dafür import das Studio den Sound innerhalb der *.swf-Datei, was man bei Flash vermißt. Eine importierte Sounddatei kann man automatisch einer Lippensynkronisation unterziehen. Mit 8 unterschiedlichen Mundstellungen simuliert das Programm den Sprechverlauf. Die automatische Erkennung, lässt sich manuell verfeinern. Die eigentlichen Highlights des Studio 1.0 liegen im Animationsteil. Was im Grafischen vorbereitet wurde kann hier in Bewegung gesetzt werden. Man kann alle Objekte und die Kamera in einem einem Art 3D-Raum bewegen. In
eigenen Bewegungskurven, Pegs kann man die Bewegung der Objekte differenziert festlegen. Eine Aufsicht und eine Seitenansicht helfen die Objektposition genau zu erfassen. In einem ausgeklügelten System kann man für jedes Bild die Bewegung, die Geschwindigkeit, den Drehpunkt, die Drehung und Skalierung bestimmen. Auf diese Weise erhält man sehr schnell natürliche Bewegungsabläufe der Objekte. Mit etwas Übung kommt man zu sehr ansprechenden Ergebnissen.
Wer ein Programm für Animation und Zeichentrickfilme sucht, der ist mit TonnBoom Studio gut bedient. Für Interaktive Flashfilme ist der Flasheditor selber zur Nachbearbeitung unbedingt notwendig. Ein eigenes Urteil bekommt man mit der 30 Tage Demoversion. www.toonboom.com |